Start Präventionsprojekte Aktionen Achtklässler vom Film schockiert, verwirrt, überrascht und traurig

Achtklässler vom Film schockiert, verwirrt, überrascht und traurig

„Homevideo“ thematisiert Cybermobbing – Medienexperte zu Gast


Draußen ist es noch dunkel, es regnet. Vor der Tür des Apollo-Kinos hat sich eine größere Gruppe von Schülern versammelt, die darauf wartet, dass die Tür geöffnet wird. Obwohl es erst kurz vor acht am Morgen ist, tauschen rund 70 Achtklässler, eine Gruppe kommt vom Gymnasium, zwei von der Realschule plus, an diesem Morgen den Klassenraum gegen den Kinosaal. Gezeigt wird der Film „Homevideo“, bei dem es um Cybermobbing (Mobbing im Internet) mit fatalen Folgen geht. Martina Christmann, Kreisjugendpflege und Arbeitskreis Suchtprävention, hat die Veranstaltung organisiert.

Auf ihre Einladung ist auch Medienpädagoge Michael Kleinschmidt vom Institut für Kino- und Filmkultur gekommen. Er hat nicht nur den Film zum Thema ausgesucht, sondern führt die Schüler auch behutsam ins Thema ein. Mobbing im Internet ist noch immer brandaktuell. Rund 20 bis 25 Prozent junger Menschen sind in Deutschland davon betroffen, weiß Kleinschmidt. „Oft fängt es ganz harmlos in einer WhatsApp-Gruppe an. Dann geht es weiter in andere Gruppen, bis es überall verbreitet ist“, sagt Christmann, die weiß, dass auch in der Region einige Kinder von Mobbing im Internet betroffen sind. „Vielleicht nicht so krass wie im Film gezeigt, aber Mobbing ist immer schlimm“.
„Homevideo“ ist ein preisgekrönter Film, der das Thema auf sehr einfühlsame Weise umsetzt und die Jugendlichen direkt anspricht. Erzählt wird die Geschichte des 15-jährigen Jakob Moosmann. In der Schule läuft es nicht gerade gut, und die Eltern (Vater: Polizist, Mutter: Krankenschwester) sind gerade dabei, sich zu trennen. Einziger Lichtblick für Jakob ist die eben beginnende Liebesbeziehung zur 13-jährigen Hannah. Jakobs Leben ist also erst einmal nicht außergewöhnlich, bis eines Tages ein intimes Video von ihm ins Netz gerät. Der Junge wird von seinen Mitschülern verspottet und darüber hinaus im Internet wüst beschimpft. Auch Hannah wendet sich von Jakob ab. Eltern und Lehrer begreifen die Dramatik der Situation nicht, und so weiß Jakob letztlich keinen anderen Weg mehr, als sich mit der Dienstwaffe seines Vaters selbst zu töten.

Gespannt sitzen die Jugendlichen in den Reihen und schauen gebannt auf die Leinwand. Von einigen Szenen peinlich berührt, wird es während des Films immer mal wieder unruhig. Die Schüler flüstern mit ihren Nachbarn, halten sich die Augen zu oder rufen ein genervtes „Oh nein“ ins Publikum. Am Ende des Films ist es allerdings still im Saal. Als das Licht angeht, springen nicht alle wie gewohnt von den Plätzen. Die meisten Schüler bleiben sitzen, und man sieht ihnen an, wie betroffen sie sind.

Trotzdem hakt Michael Kleinschmidt noch mal nach. „Wie geht es euch jetzt?“ „Schockiert, verwirrt, überrascht und traurig“, lauten die Antworten. Der Film spricht genau die Sprache der jungen Menschen und wird mit einer solchen Authentizität erzählt, die die Jugendlichen betroffen macht. Um die Geschichte gemeinsam zu reflektieren, animiert Kleinschmidt die Schüler dazu, sich verschiedene Szenen noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, sich einen alternativen Schluss auszudenken und die Gefühle des Mobbingopfers zu beschreiben. Cybermobbing tut weh, lautet die unmissverständliche Botschaft des Streifens, und die ist zweifellos bei den Achtklässlern, die dem Film die Schulnote gut geben, angekommen. (aus: RZ Kreis Cochem-Zell vom Dienstag, 8. März 2016, Seite 19)